Fachkräfte fallen nicht vom Himmel: Unternehmen müssen Arbeit neu denken

Südwestsachsen hat ein Arbeitskräfteproblem. Zu viele erfahrene Menschen gehen, zu wenige junge Talente rücken nach. Wenn Sie in diesem Umfeld einfach nur weiter stumpf nach neuen Leuten suchen, aber im Betrieb nichts grundlegend verändern, verlieren Sie nicht nur Bewerber, sondern irgendwann auch die Menschen, die längst da sind. Das Zauberwort lautet: Mitarbeiterbindung.

In Südwestsachsen ist die Bevölkerung seit Jahren rückläufig:

  • 1

    1990: rund 1,87 Millionen Einwohner

  • 2

    2008: rund 1,56 Millionen Einwohner

  • 3

    2023: rund 1,40 Millionen Einwohner

  • 4

    Prognose für 2030: etwa 1,28 Millionen Einwohner

Diese Entwicklung trifft den Arbeitsmarkt zusammen mit der Alterung der Gesellschaft hart. Ende 2024 waren rund 762.000 Einwohner der Region zwischen 18 und 65 Jahre alt – etwa 249.000 weniger als 2008.

Rund 114.000 davon werden dem Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren altersbedingt nicht mehr zur Verfügung stehen. Dem stehen nur knapp 57.000 20- bis 25-Jährige gegenüber. Bis 2030 wird sich das Potenzial an Erwerbsfähigen daher voraussichtlich um weitere sechs Prozent reduzieren.*

Für Unternehmen in Südwestsachsen bedeutet das: Die ohnehin angespannte Fachkräftelage wird sich weiter verschärfen. Der Wettbewerb um Arbeitskräfte wird noch härter. Wer jetzt nicht an den eigenen Strukturen arbeitet, wird abgehängt.

Recruiting allein reicht nicht mehr

Viele Unternehmen investieren beim Thema Fachkräftemangel viel Energie in die Suche nach neuen Beschäftigten. Die Zahlen machen jedoch deutlich: Nachwuchs gewinnen ist zwar wichtig, aber es reicht nicht. Es fehlt schlicht an Menschen.

Immer wichtiger werden daher die Fachkräftesicherung und die Identifikation interner Potenziale. Denn die besten Fachkräfte sitzen meist schon im Betrieb, sie werden nur nicht immer richtig eingesetzt, entwickelt oder gehalten.

Oft gibt es:

  • Beschäftigte, die mehr Verantwortung übernehmen könnten.
  • Teilzeitkräfte (rund ein Drittel der Beschäftigten in Südwestsachsen*), die aufstocken würden, wenn Rahmenbedingungen wie Betreuung und Arbeitszeitmodelle passen.
  • Mitarbeiter, deren Qualifikationen nicht vollständig genutzt werden.
  • Ältere Beschäftigte, deren Erfahrungswissen systematischer weitergegeben werden könnte.

Es geht also darum, vorhandene Potenziale besser zu erkennen und zu nutzen. Doch wie funktioniert das genau?

Gute Arbeit wird zum Standortfaktor

Wenn Arbeitskräfte knapper werden, müssen Unternehmen Arbeit so gestalten, dass Menschen bleiben können und wollen. Dabei reicht es nicht, einmal im Jahr ein Sommerfest zu organisieren, Benefits auf die Website zu schreiben oder einen hübschen Imagefilm zu drehen.

Arbeitgeberattraktivität entsteht im Alltag: in der Schichtplanung, im Führungsverhalten, in der Kommunikation, in der Aufgabenverteilung, in der Schaffung von Entwicklungsmöglichkeiten, in der Qualifizierung von Beschäftigten, in der Erweiterung von Verantwortung und dem gezielten Wissenstransfer.

Gute Arbeit spricht sich herum. Schlechte Arbeit auch.

Wer Menschen halten will, muss Arbeit auch aus Sicht der Beschäftigten denken. Unternehmer sollten sich deshalb ehrlich fragen:

  • Wie lebensnah sind unsere Arbeitszeiten wirklich?
  • Wie gut funktioniert Führung im Alltag?
  • Wie gut werden Beschäftigte einbezogen?
  • Warum gehen Menschen und warum bleiben sie?

Fakt ist: Unternehmen in Südwestsachsen können den demografischen Wandel nicht wegdiskutieren. Aber sie können beeinflussen, wie gut sie mit ihm umgehen. Genau hier setzt ITAS an: Transformation nicht nur technologisch, wirtschaftlich oder strategisch zu denken, sondern auch als Aufgabe für Arbeitgeber.

Melden Sie sich bei Fragen jederzeit bei uns.

*Alle Quellen für die genannten Zahlen und Daten und weitere Impulse entnehmen Sie bitte der ITAS-Charta – Kapitel „Themenfeld Arbeit und Qualifizierung“.

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