Wer Fachkräfte will, muss zuerst in sein Unternehmen schauen

Viele Unternehmer bekommen bei Schlagworten wie Digitalisierung oder Automatisierung Schnappatmung: „Woher sollen die Leute dafür kommen? Der Markt ist leer!“ Doch statt über Personalnot zu klagen, sollten Sie erstmal die Scheuklappen bezüglich des eigenen Betriebs ablegen. Die Lösung sitzt meist schon längst am Schreibtisch oder an der Maschine – und ist oft unterfordert.

Nehmen wir Hans-Jürgen: gelernter Industriemechaniker, ein Profi seines Fachs. Seit Jahren macht er an seiner Station aber dieselben einfachen Handgriffe. Nicht, weil er nicht mehr leisten könnte, sondern weil sein Betrieb ihn in eine Schublade gesteckt und offensichtlich den Schlüssel weggeworfen hat. Er wurde nie anders eingeplant, gefördert und seine Fähigkeiten niemals ausgeschöpft.

In Südwestsachsen ist Hans-Jürgen kein Einzelfall, sondern System. Der Blick auf die Zahlen entlarvt die massive Verschwendung von Potenzial:

  • 73 Prozent der Beschäftigten in der Region haben einen Berufsabschluss.
  • 59 Prozent sind hochqualifizierte Fachkräfte.

Das ist Spitzenklasse in Sachsen und Deutschland. Und trotzdem ist gerade in der Automobilindustrie der Anteil an Hilfstätigkeiten absurd hoch.*

Das bedeutet im Klartext: Wir verheizen Fachkräfte für Hilfsarbeiten und weinen dann Krokodilstränen, weil uns die Experten für den Wandel fehlen. Wer Kompetenzen sucht, muss sie zuerst in der eigenen Belegschaft identifizieren!

Ein Upgrade für die Transformation

Der Strukturwandel erfordert kein Heer von neuen Raketenwissenschaftlern, sondern ein radikales Upgrade für die vorhandene Mannschaft. Ob vernetzte Produktion, Datenanalyse, veränderte Kundenbedürfnisse oder Nachhaltigkeitsanforderungen – die Aufgaben in der automobilen Wertschöpfungskette verändern sich enorm. Manche Tätigkeiten sind künftig weniger gefragt, andere entstehen neu oder werden anspruchsvoller. Wer jetzt noch in starren Berufsbildern von vor 20 Jahren denkt, hat schon verloren.

Gefragt sind dynamische Kompetenzpakete wie:

  • Technisches Verständnis für digital gesteuerte Produktionsprozesse
  • IT- und Datenkompetenz, etwa im Umgang mit Software oder Sensorik
  • Prozessverständnis, um Abläufe nicht nur auszuführen, sondern zu verbessern
  • Wissen zu Energieeffizienz, Ressourcenschonung und nachhaltiger Produktion
  • Lernfähigkeit, Veränderungsbereitschaft und bereichsübergreifendes Denken
  • Kommunikations- und Teamfähigkeit, weil Arbeit stärker interdisziplinär wird

Unternehmen müssen also zwei Dinge tun:

  • 1
    Aufhören, Talente und Potenziale, die bereits im Betrieb vorhanden sind, zu ignorieren
  • 2
    Diese Leute gezielt für die Transformation weiterbilden

Wer weiß, was die eigenen Beschäftigten können, kann besser entscheiden, wer künftig welche Aufgaben übernehmen, wer mehr Verantwortung tragen und wer für neue Anforderungen qualifiziert werden kann.

Qualifizierung als Überlebensstrategie

Theoretisch klingt Weiterbildung logisch, praktisch wirft sie Fragen auf:

  • Welche Kurse eignen sich?
  • Wer bietet sie regional an?
  • Und wie passt das alles in den Schichtplan und die Lebensrealität der Mitarbeiter?

Hier setzt ITAS an. Als Vermittler filtert unsere Initiative passende Bildungsanbieter für die Region, bündelt die Bedürfnisse der Betriebe und moderiert den Prozess zwischen Arbeitgebern, Beschäftigten und Betriebsräten, um Qualifizierung praxisnah und alltagstauglich zu gestalten. Ziel ist es, Weiterbildung nicht als theoretische Last, sondern als machbares Upgrade zu organisieren, das die Innovationskraft der Belegschaft direkt auf die Straße bringt.

Sie haben Fragen oder brauchen konkrete Unterstützung? Melden Sie sich gern jederzeit bei uns.

* Alle Quellen für die genannten Zahlen und Daten und weitere Impulse entnehmen Sie bitte der ITAS-Charta – Kapitel „Themenfeld Arbeit und Qualifizierung“.

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