Die ostdeutsche Automobilindustrie verfügt über vieles, was für eine erfolgreiche Transformation notwendig ist: starke Produktionsstandorte, leistungsfähige Zulieferer, innovative Forschungseinrichtungen und zukunftsfähige industrielle Kompetenz. Gleichzeitig steht die Branche unter erheblichem Anpassungsdruck.
Eine Studie unseres Konsortialpartners IG Metall kommt zu dem Ergebnis: Die Potenziale sind vorhanden, entscheidend ist aber, wie schnell Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Beschäftigte den Wandel gemeinsam gestalten.
Warum Automotive für den Osten so wichtig ist
Rund 250.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von der Automobilindustrie ab. Jeder vierte Industriearbeitsplatz in der Region hängt direkt oder indirekt von der Branche ab. Damit ist die Branche einer der wichtigsten industriellen Arbeitgeber Ostdeutschlands.
Internationale Hersteller wie Volkswagen, BMW, Porsche, Mercedes-Benz, Opel und Tesla betreiben Produktionsstandorte in der Region und beschäftigen rund 51.000 Menschen. Hinzu kommen mehr als 1.300 Zulieferer und Dienstleister mit rund 200.000 weiteren Beschäftigten. Allein in Sachsen liegen mehr als 42 Prozent dieser Arbeitsplätze.
Die Transformation der Automobilindustrie entscheidet deshalb nicht nur über die Zukunft einzelner Unternehmen, sondern über die wirtschaftliche Entwicklung ganzer Regionen.
Die Transformation verändert das Geschäftsmodell der Branche
Elektromobilität, Digitalisierung, neue Antriebstechnologien und automatisierte Fahrfunktionen verändern die Automobilindustrie grundlegend. Die Studie zeigt, dass rund 95 Prozent der Betriebe ihre Produktionsprozesse in den kommenden Jahren diesbezüglich anpassen müssen.
Besonders Zulieferunternehmen stehen vor großen Aufgaben. Viele Komponenten klassischer Antriebstechnologien verlieren an Bedeutung oder entfallen vollständig. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen in Bereichen wie Elektronik, Software, Batterietechnologie und intelligente Fahrzeugsysteme.
Der Wandel ist damit nicht nur ein Technologiewechsel, sondern eine tiefgehende Veränderung von Wertschöpfungsketten, Produkten und Geschäftsmodellen.
Forschung ist vorhanden – die industrielle Umsetzung oft nicht
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie betrifft den Technologietransfer. Ostdeutschland verfügt über leistungsfähige Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Entwicklungszentren. Dennoch gelangen viele Innovationen nicht in die regionale Wirtschaft.
Forschungsergebnisse entstehen häufig vor Ort, die wirtschaftliche Verwertung und Skalierung erfolgen jedoch oft außerhalb der Region. Deshalb ist die engere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Unternehmen der zentralen Hebel für künftiges Wachstum.
Wo die größten Zukunftschancen liegen
Die Autoindustrie in Ostdeutschland hat das Potenzial, die Transformation aktiv mitzugestalten. Zentrale Ansätze hierfür sind:
Zusätzliche Chancen ergeben sich durch die Verzahnung mit anderen Branchen. Dazu gehören insbesondere der Maschinen- und Anlagenbau, die Mikroelektronik, die Werkstofftechnik sowie die IT- und Softwarewirtschaft.
Aber: ohne Qualifizierung keine Transformation
Technologie allein entscheidet nicht über den erfolgreichen Wandel. Ebenso wichtig sind die Menschen, die sie anwenden. Die Studie zeigt, dass viele Unternehmen vor der schwierigen Aufgabe stehen, neue Kompetenzen aufzubauen und Beschäftigte aktiv in Veränderungsprozesse einzubeziehen. Weiterbildung und Qualifizierung werden damit zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. „Genau hier setzen wir als IG Metall an. Wir sind der Initiative ITAS beigetreten, um Arbeitnehmer in der Automobilindustrie zu unterstützen. Denn: Transformation ist nur erfolgreich, wenn die Beschäftigten mitgenommen werden, wenn das ganze Unternehmen an einem Strang zieht. Jeder im Betrieb muss wissen, was Sache ist und warum welche Veränderungen nötig sind“, sagt Marcus Galle von der IG Metall, einem der Konsortialpartner von ITAS.
Deshalb engagiert sich die IG Metall mit den weiteren Partnern bei ITAS: um Unternehmen und Beschäftigte in der Transformation an einen gemeinsamen Tisch zu bringen und sie zu unterstützen.
Hier erfahren Sie mehr zur Studie: https://www.igmetall-leipzig.de/aktuelles/meldung/der-osten-braucht-die-automobilwirtschaft-studie-unterstreicht-hohe-bedeutung-der-fahrzeugindustrie
FAQ zur Studie
Die Studie untersucht die Struktur, wirtschaftliche Bedeutung, Schwierigkeiten und Zukunftspotenziale der ostdeutschen Automobilindustrie.
Rund 250.000 Menschen arbeiten direkt oder indirekt in der Automobilindustrie sowie den zugehörigen Zuliefer- und Dienstleistungsbereichen.
Zu den wichtigsten Aufgaben gehören die Umstellung auf neue Antriebstechnologien, veränderte Wertschöpfungsketten, steigender internationaler Wettbewerb sowie der Aufbau neuer Kompetenzen.
Vor allem in den Bereichen Elektronik, Software, Batterietechnologie, Materialinnovationen, Kreislaufwirtschaft sowie in einer stärkeren Zusammenarbeit von Industrie und Forschung und der Verknüpfung mit neuen Branchen.
Neue Technologien verändern Arbeitsprozesse und erforderliche Qualifikationen. Unternehmen benötigen deshalb gut aus- und weitergebildete Beschäftigte, um die Transformation erfolgreich umzusetzen.
